26
September
2022
|
12:07
Europe/Berlin

"Das politische Gerangel um die Energieträger muss aufhören"

Zusammenfassung

Als Repräsentanten von sowohl Wind- als auch Atomkraft wollen wir ein Ende des politischen Gerangels in der Energiedebatte. Diese beiden Energiearten stehen in keinem Gegensatz zueinander. Es geht nicht darum, sich für die eine oder die andere Energiequelle zu entscheiden. Die Stromnachfrage wächst in einem derart schnellen und großen Ausmaß an, dass für alle Arten fossilfreier Energieerzeugung Platz ist, um dem Bedarf zu begegnen. Die schwedische Politik muss zusammenfinden – mit dem Ziel, die Voraussetzungen für den Markt zu schaffen, um den gesamten von unserem Land benötigten Strom zu erzeugen, schreiben Daniel Badman, Geschäftsführer bei Svensk Vindenergi  und Johan Svenningsson, Geschäftsführer bei Uniper Sverige.

Der Stromverbrauch Schwedens ist mit 140 Terawattstunden (TWh) über lange Zeit relativ konstant gewesen. Doch nun kam es zu einem raschen und beträchtlichen Anstieg. Bereits innerhalb von 20 Jahren werden wir doppelt so viel Strom benötigen.

In erster Linie lässt sich dies durch die Klimawende im Industrie- und Transportbereich erklären. Es werden umfassende Investitionen getätigt, um unter anderem fossilfreien Stahl, Wasserstoff und Batterien herzustellen. In diesen Bereichen kann Schweden weltweit eine Vorrangstellung einnehmen. Mit einer gestärkten industriellen Konkurrenzkraft können wir sowohl die klimaschädlichen Emissionen stoppen als auch von Norden bis in den Süden für mehr Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sorgen. Die Länder, denen die Elektrifizierung der Industrie am besten gelingt, sind die künftigen Gewinner. Schweden sollte die Chance nutzen, in Führung zu gehen.

Gleichzeitig weist der tragische Krieg in der Ukraine darauf hin, wie wichtig eine gesicherte und einheimische Energieversorgung ist. Russlands Export von Öl und Naturgas nach Europa finanziert den begonnenen Krieg. Daher hat die EU einen Plan entwickelt, mit dem sich Europa bis 2030 von russischen Brennstoffen unabhängig machen soll. Die Union will rasche Investitionen in neue Stromerzeugung sehen, und Schweden kann und muss sich daran beteiligen.

Unsere Stromerzeugung muss nun rasch und in großem Umfang ausgebaut werden. Um dem wachsenden Strombedarf gerecht zu werden, ist ein Ausbau der Produktion von ungefähr 10 TWh jährlich erforderlich. Das ist zwar eine große Herausforderung, aber eine, die durchaus zu bewältigen ist. Allein die Windkraft wird zwischen 2022 und 2024 mit 7 TWh jährlich ausgebaut.

Hingegen ist der zukünftige Ausbau der Stromerzeugung gefährdet. Der gegenwärtige Ausbau der Windkraft basiert auf Genehmigungen vorheriger Jahre. Es wird jedoch immer schwieriger, Genehmigungen zu erhalten, und es dauert lange. Eine aktuelle Zusammenstellung zeigt zum Beispiel, dass die Gemeinden im Vorjahr 8 von 10 Windkraftanlagen stoppten. Auch für neue Atomkraftwerke würden die Genehmigungsverfahren wahrscheinlich zu einem Problem werden. Außerdem dürfen neue Reaktoren gemäß derzeitiger Gesetzgebung nur auf bestehenden Atomkraftanlagen gebaut werden, was den Ausbau kleiner modularer Reaktoren (SMR) stoppt.

Und obwohl rasche und kraftvolle Maßnahmen erforderlich sind, hat die schwedische Politik anderes vor Augen. Vor der Wahl im September liegt der Schwerpunkt wieder einmal auf festgefahrenen Positionierungen anstatt auf Lösungen. Es wird ein Bild gezeichnet, als würde Schweden nun vor der Wahl stehen, entweder auf Windkraft oder auf Atomkraft zu setzen. Aber der Strombedarf wächst derart rasch und umfassend an, dass sämtliche fossilfreie Energiequellen gebraucht werden.

Wir werden künftig noch lange Strom aus Atomkraft, Windkraft und all den anderen gegenwärtig genutzten Energiearten erzeugen müssen, mit denen wir die Klimaziele erreichen werden. Gleichzeitig sind wir offen dafür, neuen Technologien den Vortritt zu lassen. Gemeinsam können alle Energiequellen dazu beitragen, dass Schweden künftig zu konkurrenzfähigen Preisen Zugang zu Strom hat – was gegenwärtig einer unserer stärksten Wettbewerbsvorteile ist.

Zu diesem Zweck muss die Politik zusammenfinden. Das Ziel soll in einer breiten Einigkeit bestehen, die die Voraussetzungen für den Markt schafft, um den gesamten von unserem Land benötigten Strom zu erzeugen. Der Schwerpunkt muss darauf liegen, welche Eigenschaften das Stromnetz insgesamt bereitstellen muss, um den Bedarf der Bevölkerung abzudecken. Die schwedische Energie- und Klimapolitik muss sehr ernst genommen werden. Bei der Reichstagswahl im September geht es nicht nur um die kommenden vier Jahre, sondern um den Wohlstand und die industrielle Zukunft des Landes.

Die wichtigste Rolle der Politik in Bezug auf das Energiesystem ist es, die Vision eines klimaneutralen Schwedens zu haben, das gleichzeitig eine führende Industrienation ist, und zusätzlich ein langfristiges Regelwerk mit Anreizen zu setzen, die in die richtige Richtung lenken. Nur dann werden die Marktakteure in dem umfassenden Ausmaß investieren, das notwendig ist, damit wir die Umstellung schaffen.

Kurzfristige, auf Meinungen bedachte Gewinne im Energiebereich gehen auf Kosten von Schwedens Möglichkeiten, die Klimaziele zu erreichen und eine führende Industrienation zu sein. Sehen wir zu, dass diese Erkenntnisse zu dem Mut und der politischen Tatkraft führen, die erforderlich sind, um durch eine langfristige und breite Energievereinbarung die Voraussetzungen für ein fossilfreies Schweden zu schaffen.

Daniel Badman, Geschäftsführer Svensk Vindenergi

Johan Svenningsson, Geschäftsführer Uniper Sverige

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